Springer Ortswehr beendet Osterfeuer-Tradition

Die Springer Orstfeuerwehr wird das Osterfeuer in der Kernstadt künftig nicht mehr organisieren. Foto: Symbolfoto

Springe / Region. 

Ein zu großer bürokratischer Aufwand, tagelange Arbeitseinsätze und mangelnde Unterstützung durch den Ortsrat – dies sind nur einige der Gründe, weshalb die Ortsfeuerwehr Springe künftig das Osterfeuer nicht mehr organisieren wird. In einem offenen Brief haben die ehrenamtlichen Retter um Ortsbrandmeister Florian Doege ihre Entscheidung ausführlich beschrieben:

"Sehr geehrter Herr Ortsbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren des Ortsrates Springe,
liebe Bürgerinnen und Bürger,
das Kommando der Freiwilligen Feuerwehr Springe – Ortsfeuerwehr Springe - hat in der Kommandositzung am 24.11.2016 einstimmig beschlossen, das jährlich stattfindende Osterfeuer in Springe nicht mehr durchzuführen.
Jahrzehntelang haben wir in Ihrem Auftrag das Osterfeuer geplant, betreut, durchgeführt und uns um die Nachbereitung gekümmert.
Viele schöne Feste konnten wir so auf die Beine stellen und wir sind froh auf viele schöne Stunden zurückblicken zu können.
Leider haben im Laufe dieser Zeit verschiedene Änderungen stattgefunden, die eine Organisation und Durchführung dieses Brauchs zu einer sehr zeitintensiven Aufgabe machen. Sowohl einige Zeit vor Ostern, als auch viele Tage danach, sind wir viele Stunden mit einer Vielzahl von Feuerwehrkameraden beschäftigt. Der bürokratische Aufwand nimmt hierbei einen ebenso großen Teil ein, wie die eigentliche Durchführung einer derartigen Veranstaltung.
Wir mussten feststellen, dass sich nicht mehr viele Kameraden ausreichend motivieren lassen, das Osterfest fast ausschließlich auf dem Festplatz zu verbringen. Samstag sind wir vor Ort um aufzubauen, die Annahme des Brennguts zu koordinieren und bis in den späten Abend das Rahmenprogramm durchzuführen.
Bereits am Sonntagmorgen kümmern wir uns wieder um die Säuberung des Festplatzes und der „Laufwege“ rund um das Osterfeuer. Viele Besucher entsorgen ihren Müll leider nicht ordnungsgemäß, so dass wir meist erst nachmittags die Umgebung wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt haben. Oft sehen wir in den darauffolgenden Tagen nach Feierabend nach dem Rechten, um eine Belästigung der Anwohner durch Brandrauch zu vermeiden. Anschließend kümmern wir uns um die Entsorgung des Brandguts und der Absperrgerätschaften. Das Osterfest ist zu diesem Zeitpunkt schon einige Tage vorüber und oftmals haben wir erst dann bemerkt, dass ein Zusammensein mit der Familie nicht stattgefunden hat.
Wir haben diesen Brauch immer gerne unterstützt und haben unsere eigenen Bedürfnisse eines Osterfestes im Kreise unserer Familien immer in den Hintergrund gestellt.
Wir sind nach langen internen Gesprächen zu dem Entschluss gekommen, dass der zu leistende Aufwand in keinem Verhältnis mehr zu unserer eigentlichen Aufgabe - die Sicherstellung des Brandschutzes im Auftrag der Stadt – steht.
Wir sind immer zur Stelle, wenn uns jemand ruft. 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr.
Damit wir diese Aufgabe auch weiterhin zur vollsten Zufriedenheit aller Bürger durchführen können, bedarf es einer immerwährenden, qualifizierten Ausbildung und viel Vorbereitung auf Ereignisse, auf die wir uns eigentlich nicht vorbereiten können.
In den vergangenen 10 - 15 Jahren hat sich das Bild der Feuerwehr - und natürlich auch der Ortsfeuerwehr Springe - gewandelt. Die Einsatztätigkeit hat zugenommen. Mittlerweile müssen jährlich über 100 Alarmeinsätze abgearbeitet werden. Die Aufgabenvielfalt hat zugenommen, was eine weitaus intensivere Ausbildungstätigkeit nach sich zieht. Ausbildungsdienst ist mittlerweile einmal pro Woche. Auch hat der Verwaltungsaufwand für die Verantwortlichen der Feuerwehr in den letzten Jahren stark zugenommen. Neben der „allgemeinen Verwaltungs- und Organisationsarbeit“ die eine Feuerwehr (oder auch ein größerer Verein) mit sich bringt, kommen das Erstellen von Einsatzberichten, die Stellungnahmen zu Bauprojekten bzw. zu installierende Brandmeldeanlage u.ä. hinzu.
Wir sind uns dem Arbeitsaufwand unserer Aufgabe durchaus bewusst und werden diese auch weiterhin wie gewohnt zum Schutz und Wohle der Bürger durchführen ohne uns hier beschweren zu wollen, sehen aber für die Zukunft keine Möglichkeit mit den vorhandenen Ressourcen die Betreuung des Osterfeuers zu übernehmen. Wir bitten Sie und natürlich die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt hier um Verständnis, dass wir - Ihre Ortsfeuerwehr - uns aus den nicht zum Kernbereich einer Feuerwehr, besser: einer Gefahrenabwehrorganisation gehörenden Aufgaben teilweise zurückziehen möchten und werden. Uns ist auch hier der Schutz unserer Kameradinnen und Kameraden vor Mehrbelastungen wichtig.
Selbstverständlich nehmen wir mit der Ortsfeuerwehr, dem Musikzug und der Jugendfeuerwehr auch weiterhin am öffentlichen Leben in Springe teil.
Wir haben zu unserem Bedauern in den vergangenen Jahren vermehrt feststellen müssen, dass sowohl die Organisation als auch die Verantwortung der Veranstaltung sehr einseitig verlaufen ist. Oft stellten uns unsere Kameradinnen und Kameraden nach dem Osterfeuer die Frage „Warum?“ und „Wieso der Ortsrat nicht vollständig dagewesen sei?“ Wir konnten auch nach reichlicher Überlegung im Kommando hierauf keine Antwort geben.
Wir verabschieden uns von der Organisation des Osterfeuers mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Gerne blicken wir auf die vielen schönen Stunden und Erlebnisse im Zusammenhang mit dem Osterfeuer zurück, sehen aber genauso gerne in eine etwas „arbeitsärmere“ Zukunft. Wir bitten um Ihr Verständnis, dass unser Entschluss feststeht und unumkehrbar ist.
Wir sind uns im Klaren darüber, dass wir mit unserer Entscheidung eine lange Tradition verändern.
Auch aus diesem Grund sind wir bereit unsere Erfahrungen bezüglich der Organisation und Durchführung mitzuteilen, sollte das Osterfeuer durch andere Hand weitergeführt werden.
Wir wünschen Ihnen allen auf diesem Wege eine friedliche und besinnliche Adventszeit, ein ruhiges Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr."


Mit freundlichen Grüßen
Ihre Ortsfeuerwehr Springe
-Das Kommando-
gez. Doege
Florian Doege
-Ortsbrandmeister -

bri, 07.12.2016, 19:08
Redakteure LON

Kommentare

FrankMues - , 08.12.16 09:12:
Ich habe vollstes Verständnis für die Kameraden. Erst wenn die Feuerwehr bestimmte Dinge nicht mehr macht, merken die Verantwortlichen, wie sehr sie sich darauf verlassen haben, dass "Die das schon machen werden" Und wenn es ums bedanken oder anerkennen geht, gibt es ein paar warme Worte auf der Jahreshauptversammlung. Die sind aber schnell wieder vergessen, wenn es darum geht, teure Ausrüstung zu beschaffen. Dann holen alle den spitzen Bleistift raus und fragen "muss das unbedingt sein" oder "können die das nicht aus ihrer Kasse bezahlen, die haben doch beim Osterfeuer Geld verdient"
Erchte Wertschätzung sieht anders aus.

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