Lesermeinung: Tierschutz vor Menschenschutz?

Lüdersen. 

Zu unserem Artikel "Den Windpark vor der Haustür" vom 27. Juli erreichte die Redaktion ein Leserbrief von Elke Riegelmann:

"Unser Grundgesetz garantiert uns in Artikel II 1 das „Recht auf körperliche Unversehrtheit“. Lebensräume von unter Naturschutz stehenden Arten (Beispiel: Rotmilan, Feldhamster) sind geeignet, große Bauvorhaben unmöglich zu machen. Für mich gehört auch der Mensch zur Natur, bei den Belangen des Naturschutzes wird er jedoch ausgeklammert: Eingriffe in den Lebensraum des Menschen, sein Bedürfnis und Recht auf Erholung in seinem Rückzugsraum, also seinem Zuhause, werden nicht berücksichtigt, wie kann das sein? Der Bau von 200 Meter hohen Windkraftanlagen am Fuße eines Berges (hier des Wolfsberges) stellt eine nicht hinnehmbare, vor allem gesundheitliche Beeinträchtigung der Wohnbevölkerung des Bergdorfes dar

Schattenwurf in den Morgenstunden in den nach Osten ausgerichteten Räumen, gleißende Lichtblitze bei dunstigem Wetter am Tag, rote Blinklichter in der Nacht, Schallwellen im hörbaren und nicht hörbaren (Infraschall) Bereich, die vom Hang auch zurückgeworfen werden, sind neben der auf Grund der extremen Höhe (200 Meter) und Nähe (bis 800 Meter an die Wohnbebauung) bedrückenden Wirkung massive, plötzliche Veränderungen der Umweltfaktoren. Schon jeder Faktor an sich ist für den nach einem stressreichen Arbeitstag Ruhe suchenden Menschen eine Belastung, die Summe ist in ihrer schädigenden Wirkung nicht zu beschönigen. Namhafte Ärzte warnen vor den negativen Folgen für den Menschen – die Argumente werden mit dem Einwand vom Tisch gewischt, dass es dazu bisher keine wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse gäbe. Gleichzeitig ist eine erhebliche Zunahme von stressbedingten Erkrankungen zu verzeichnen.

Wann fangen wir an, auf Warnungen der Mediziner zu hören und ihrem Rat zu folgen: Windkraftanlagen nur in der zehn-fachen Entfernung ihrer maximalen Höhe von Wohnbebauung zu errichten? Ich fordere die Mitglieder der Regionsversammlung, die über die Veränderungen des RROP 2016 (Raumordnungsprogramm) abstimmen, nachdrücklich auf, sich ihrer Verantwortung zu stellen und die massenhaft vorgebrachten Bedenken der Bewohner des Bergdorfes Lüdersen und auch der benachbarten betroffenen Kommunen ernst zu nehmen und sich nicht einfach darüber hinweg zu setzen. Beachten und beherzigen Sie das im Grundgesetz garantierte „Recht auf körperliche Unversehrtheit“!

Elke Riegelmann, Lüdersen

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Leserbriefe geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich sinnwahrende Kürzungen vor. Nicht alle Zuschriften können veröffentlicht werden.

red, 11.08.2016, 09:21
Redakteure LON

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