ILE: Viele Projekte zur Stärkung des ländlichen Raumes

Barsinghausen / Gehrden / Wennigsen / Springe. 

Ein leerstehendes Wohnhaus in einer 1200-Einwohner-Ortschaft, Lebensmittelgeschäft und Gaststätte sind geschlossen, Dienstleister ziehen sich aus dem ländlichen Raum zurück, es fehlt eine kommunikative Begegnungsstätte für das Dorf. Eine Situation, die in vielen Dörfern im ländlichen Raum anzutreffen ist.

Wilhelm Klauser - Architekt, Regionalplaner und Strukturentwickler aus Berlin und überall in Deutschland unterwegs – stellte bei der ersten öffentlichen Regionalversammlung der Netzwerkpartner in der ILE-Region „Calenberger Land“ einen Lösungsvorschlag mit dem Modellvorhaben RegioLAB vor. Das leerstehenden Haus wurde mit baulichen Veränderungen für verschiedene Nutzungsmöglichkeiten angepasst und beherbergt jetzt an festen Wochentagen und festen Öffnungszeiten eine Sparkasse, Paketdienst, Lohnsteuerhilfeverein, Diakonie, mobilen Friseur und einen Sanitätsdienstanbieter. „Wir wollen Versorgungsnetze im ländlichen Raum schaffen und verschiedene Akteure und Anbieter aus verschiedenen Branchen an einem Ort zusammenführen“, so Wilhelm Klauser. Das Mikrozentrum mit einer gemeinsamen Nutzung der Infrastruktur durch verschiedene Akteure sorgt dafür, dass sich die Fixkosten für jeden Teilnehmer reduzieren. Dienstleister können durch diesen Kostenvorteil weiter in der Fläche des ländlichen Raumes bleiben und wirtschaftlich agieren. Außerdem entwickelt sich damit ein kommunikativer Mittelpunkt für die Dorfgemeinschaft. Weiter plädierte Klauser dafür, dass Arbeiten im ländlichen Raum durch Heimarbeitsplätze im Wohnort zu stärken. Dadurch entfallen die Fahrten zur Arbeitsstätte in der Stadt mit Zeitverlusten durch eine lange Fahrtzeit oder im täglichen Verkehrsstau. „Die tägliche Distanz zur Arbeitsstätte muss verkürzt werden. Dadurch bleiben die Menschen in ihrem Wohnort, kaufen dort auch wieder ein und tragen die Dorfgemeinschaft mit“, so Klauser.

Ganz konkret wurde Thomas Behr bei der Vorstellung des Projektes vom integrativen Dorfgemeinschaftshaus Mensing´s Scheune in Bredenbeck. Er berichtete von der Gründung des Dorfgemeinschaftsvereines im September 2013 mit 61 Mitgliedern. Heute zählt der Verein 224 Mitglieder, hat eine leerstehende Scheune in der Bredenbecker Ortsmitte erworben, Fördergelder beantragt und zum Teil bereits erhalten und gibt jetzt den Startschuss für den Umbau der Scheune in ein Dorfgemeinschaftshaus. „Der künftige Dorfmittelpunkt soll mit einem Drei-Säulen-Konzept als Dorfgemeinschaftshaus für die Vereine, Kinder, Jugendliche und Senioren, weiter für die Ortsteilarbeit mit sozialen Angeboten durch die Gemeinde Wennigsen und mit einer Gastronomie betrieben werden. Die Einweihung des neuen Dorfmittelpunktes ist für Ende 2017/Anfang 2018 geplant.

Als Vorsitzender der Lenkungsgruppe „Calenberger Land“ im Entwicklungskonzept für Integrierte ländliche Entwicklung (ILE) hatte Gehrdens Bürgermeister Cord Mittendorf zu dieser Auftaktveranstaltung eingeladen. Dazu waren auch die Bürgermeister Christoph Meineke aus Wennigsen und Christian Springfeld aus Springe sowie Peter Dörries von der Stadtentwicklungsgesellschaft Barsinghausen hinzugekommen.

Gudrun Viehweg vom ILE-Regionalmanagement stellte mit der Kindermühle im Gehrdener Berg, der Umwandlung der Krawattenfabrik in Barsinghausen in ein Kunst- und Kulturhaus, Dorferneuerungsmaßnahmen in verschiedenen Ortschaften, die Schaffung eines Hospiz für die Anna-Forcke-Stiftung Barsinghausen, Mehrgenerationenhaus Gehrden, Skateranlage in Wennigsen oder auch einen kostenlosen Fahrservice für minderjährige Fußballspieler als weitere Projekte für die ländlichen Entwicklung im Calenberger Land vor.

„Die Förderperiode läuft bis zum Jahr 2023. Also noch genug Zeit für weitere spannende Projekte“, sagte Bürgermeister Cord Mittendorf in seinem Schlusswort.

we, 10.08.2016, 10:28
Redakteure LON

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