Bahn 2016 plus: zweites Gleis und neue Haltepunkte

Die Mitglieder der CDU Barsinghausen am S-Bahn-Haltepunkt Winninghausen. Dieser soll ein zweites Gleis bekommen. Laatzen und Springe werden neue Haltepunkte erhalten.

Barsinghausen / Laatzen / Springe. 

Ein zweigleisiger Ausbau der Deisterstrecke bei Winninghausen, neue Haltepunkte in Laatzen-Mitte und Springe-Deisterpforte - das sind nur drei mögliche Lösungsvorschläge, um den Kapazitätsproblemen am „Bahnknoten Hannover“ zu begegnen. Im Auftrag der Region Hannover, der Landesnahverkehrsgesellschaft Hannover, des Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr  und des Zweckverbandes Großraum Braunschweig haben die Beratungsunternehmen SMA und Partner (Zürich) und VIA Consulting & Development (Aachen) die Leistungsanforderungen für den über Hannover laufenden Fern-,. Regional- und S-Bahnverkehr untersucht. Ihre Empfehlung: Investitionen in die Ertüchtigung der Infrastruktur sind unumgänglich, um der steigenden Nachfrage für Verkehrsleistungen auf der Schiene gerecht zu werden.

„Wir freuen uns über einen Ausbau des Schienenverkehrs, allerdings darf er nicht auf Kosten der Pendler aus der Deisterregion gehen“, stellte Bernhard Gromoll, Vorsitzender der CDU Bördedörfer, bei einem Ortstermin fest. Denn damit ein neuer Haltepunkt in Hannover Braunschweiger Platz durch die S1/S2 bedient werden kann, ist ein Linientausch mit der S4/S5 nötig. Damit sich die Fahrtzeit auf der Strecke Haste – Hannover dann nicht verlängert, müssten sich die entgegenkommenden Züge bereits in Wininghausen und nicht wie bisher in Bantorf treffen. Dafür müsste der Haltepunkt Winninghausen ein zweites Gleis erhalten. Die Mitglieder der CDU befürworteten diesen Ausbau. „Hier gab es ohnehin früher zwei Gleise“, berichtete CDU-Mitglied Josef Nübel. Dieses sei jedoch zurückgebaut worden.

„Insbesondere die eng getaktete Nutzung einiger Schienentrassen führt zu Konflikten, die sich nicht allein durch bessere Betriebsabläufe abstellen lassen. Wir brauchen deshalb zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur“, hatte der Verkehrsdezernent der Region Hannover, Ulf-Birger Franz, schon Anfang des Jahres die Ist-Situation am Verkehrsknoten Hannover, der wegen seiner zentrale Lage im Netz der deutschen Eisenbahn hoch belastet ist, verdeutlicht. Die S-Bahn-Stammstrecke in Hannover bündelt einen Großteil des S-Bahn-Verkehrs und wickelt ihn über nur ein Bahnsteiggleis je Richtung im hannoverschen Hauptbahnhof  ab.

Im Szenario 2016 plus sind die bessere Vertaktung von überlagerten S-Bahn-Linien sowie die Errichtung neuer Stationen an Siedlungsschwerpunkten oder Verknüpfungen mit der Stadtbahn vorgesehen. Durch einen Linientauch der S4 mit der S5 in Hannover können diese Ziele erreicht werden, heißt es in der Empfehlung der Gutachter. Damit kann eine stündliche Verbindung zwischen dem Flughafen und dem Messegelände eingerichtet werden. Gleichzeitig bleibt eine ebenfalls stündliche Fahrtbeziehung zwischen Flughafen und Springe/Hameln bestehe

Geprüft wurden  folgende Vorhaben:

- Einrichtung eines neuen Haltepunktes in Hannover-Waldhausen (keine weiteren Maßnahmen erforderlich)

- Linientausch von S4 und S5 zur Verbesserung der Zugverteilung und Ermöglichung zusätzlicher Halte (dazu ist die Einrichtung eines zusätzlichen Zwischensignals in Hannover Hbf - Einfahrt von Westen nach Gleis 1- notwendig)

- Einführung einer RE-Verbindung Hannover – Hameln/Paderborn (mit Linientausch S4/S5 als Durchbindung vom Flughafen), damit weiterhin stündliche Fahrtbeziehungen zwischen Springe/Hameln und dem Flughafen

- Einrichtung neuer Haltepunkte in Laatzen-Mitte und Himmelsthür (Linientausch S4/S5 erforderlich) Einrichtung eines neuen Haltepunktes in Springe-Deisterpforte (Linientausch S4/S5 erforderlich; RE nach Paderborn als Kompensation der Reisezeitverlängerung)

- Die Bedienung eines neuen Haltepunktes in Hannover Braunschweiger Platz durch die S1/S2 ist nur mit zweigleisigem Ausbau der Deisterbahn zwischen Bantorf und Winninghausen möglich (Linientausch S4/S5 erforderlich).

Auf den Strecken in Richtung Minden, Nienburg, Wolfsburg und Braunschweig besteht der Wunsch nach systematisierten 30-Minuten-Takten im RE-System im Tagesverkehr. Aufgrund des Mischverkehrs und der laufenden Verkehrsverträge auf diesen Strecken sind diese nur eingeschränkt und ggf. in einem längeren Realisierungszeitraum umsetzbar. In Richtung Minden ist ein 30-Minuten-Takt mittelfristig nicht möglich, und erfordert erhebliche Infrastrukturausbauten. In Richtung Nienburg ist der 30-Minuten-Takt in der Hauptverkehrszeit bereits vorhanden. Das Zielnetz 2016 plus sieht eine durchgehende HVZ-Linie Nienburg – Wolfsburg vor, die sich für den Knoten Hannover aus betrieblicher Sicht besonders günstig auswirken würde. Die Züge in Richtung Wolfsburg sind abhängig vom Fernverkehr und haben Taktabweichungen von bis zu 6 Minuten. Zur Einführung der Mehrverkehre Richtung Wolfsburg ist in Hannover Hauptbahnhof ein zusätzliches Bahnsteiggleis (Gleis 15) erforderlich. In Richtung Braunschweig kann ein angenäherter 30-Minuten-Takt (Abweichung max. 4 Minuten) aus RE60/70 und RE1/RE8 hergestellt werden, sobald dies vergabetechnisch möglich ist. Durch eine längere Haltezeit von RE60/70 in Hannover Hbf wird dabei eine optimale Knoteneinbindung sowohl in Hannover als auch in Braunschweig erreicht. „Die Qualität des öffentlichen Personennahverkehrs auf der Schiene ist in der Region Hannover anerkannt gut und wird entsprechend stark nachgefragt. Um diesen Standard zu sichern und durch weitere Angebote noch mehr Fahrgäste für unsere S-Bahnen und Regionalzüge zu gewinnen, muss der ‚Bahnknoten Hannover‘ zwingend ertüchtigt werden“, bilanziert Elke van Zadel, Leiterin des Fachbereichs Verkehr der Region Hannover: „Die Ergebnisse zeigen, wie feste Taktlagen, die Einrichtung zusätzlicher Haltepunkte und längere Züge mit einem größeren Platzangebot möglich gemacht werden können“. Die veränderten Bedienungsformen bei der S-Bahn und beim RE-Verkehr im Nord-Süd-Korridor werden nach und nach bei den anstehenden Ausschreibungen im Schienenpersonennahverkehr berücksichtigt.“

bri, 27.07.2016, 10:03
Dateien:
Knoten_Hannover_Ergebnispraesentation_Verkehrsausschuss_Stand_02_02_2016.pdf1.1 M
Redakteure LON

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