Leibniz zieht auf Schloss Marienburg ein

Pattensen. 

Neben Händel, Goethe und Schiller erhält jetzt auch Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) in Form einer Büste einen Platz auf Schloss Marienburg. Anlass ist das 300. Todesjahr des letzten wahren Universalgelehrten. Mit Genehmigung der Leibniz Bibliothek wurde die Büste jetzt als letzter Originalguss aus der im Jahr 1788 von dem hannoverschen Bildhauer Johann Gottfried Schmidt erschaffenen Form erstellt. Idealisiert und ohne Perücke, wie man ihn seinerzeit sehen wollte, gleicht der Steinguss den bisher in Hannover existierenden Büsten in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, im Großen Garten, in der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität und im Leibnizhaus. Es ist der letzte Originalguss aus der Erstform, die nun nicht mehr genutzt werden kann.
Der Schlossherr Ernst August Erbprinz von Hannover enthüllte vor geladenen Gästen die Büste in der Bibliothek von Schloss Marienburg. Anwesend waren Erich Barke, Präsident der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft, Prof. Dr. Erwin Stein von der Leibniz Universität Hannover und Dr. Georg Ruppelt, ehemaliger Direktor der Gottfried Wilhelm Leibniz-Bibliothek. Das Grußwort sprach Journalist und Schriftsteller Eike Christian Hirsch, der mit einem Augenzwinkern feststellte: „Leibniz kehrt damit heim zu den Welfen“.
Leibniz steht in engem historischem Zusammenhang mit dem Welfenhaus. Ab 1685 arbeitete er in fürstlichem Auftrag an einer Geschichte des Welfenhauses, die er jedoch nie vollendete. Mit Sophie von der Pfalz, Gemahlin von Ernst August, Herzog und Kurfürst von Hannover schrieb er sich rund 390 Briefe. Die Kurfürstin Sophie, Mutter von König Georg I. von Großbritannien und Irland, und damit Vorfahrin von Ernst August Erbprinz von Hannover war Leibniz’ Gesprächspartnerin, Fürsprecherin und Vertraute. Der Große Garten in Herrenhausen war für Leibniz und Sophie Ort philosophischer Gespräche. An Leibniz' 300. Todestag, am 14. November gedenken das Land Niedersachsen, die
Landeshauptstadt Hannover und die Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft in Herrenhausen des
großen Gelehrten.
Auf Schloss Marienburg erwartet die Besucher aus diesem Anlass mit „Wenn die Sophie mit dem Genie…“ eine neue Theaterführung. Ab dem 23. September entführen die Schauspielerin Tatjana Pohl als „Sophie“ und der Schauspieler Jan Kristof Schliep als „Leibniz“ die Besucher in das Hofleben vor 300 Jahren, in die Zeit des Hochbarock am Hannoverschen Fürstenhof. „Leibniz gilt als letzter Universalgelehrter. Vierzig seiner siebzig Lebensjahre stand er in den Diensten des Welfenhauses mit der Adresse Hannover, wo er auch begraben liegt. Schwerpunkte seines Interesses waren die Philosophie, die Mathematik und die Technik. Mit der Differential- und Integralrechnung legte er die Grundlagen der höheren Mathematik. Und mit der Entwicklung der Kunst, beim Rechnen nur noch mit null und eins auszukommen, schuf er eine Voraussetzung für unser digitales Zeitalter („in jedem Smartphone Leibniz“). Leibniz erfand die erste Rechenmaschine für alle vier Grundrechenarten und konzipierte die erste binäre Rechenmaschine für das Rechnen mit nur noch 0 und 1.
Leibniz interessierten alle Wissensgebiete. Er reiste viel und weit und korrespondierte mit den
Geistesgrößen seiner Zeit. Seine Korrespondenz bewahrt das gesamte Wissen seiner Epoche. Der
Schatz liegt in der nach ihm benannten Niedersächsischen Landesbibliothek in Hannover - der
Leibniz-Bibliothek - und wurde zum UNESCO-Weltdokumentenerbe erhoben.
Der große Leibniz, wie er zu seiner Zeit genannt wurde, beeinflusste alle Wissensgebiete und legte
bedeutende Grundlagen, von denen wir bis heute und im Computerzeitalter gerade heute
profitieren. Er ist Namenspatron des berühmten Butter-Kekses aus Hannover, den es seit 1891
gibt.“ (Friedrich Oehler)

red, 15.09.2016, 10:10
Redakteure LON

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