Zahl der Schulschwänzer geht zurück

Gerd Vogel (rechts), Präsident des Amtsgerichts Hannover, sowie Anke Broßat-Warschun vom Fachbereich "Jugend und Familie" Hannovers freuen sich über die Erfolge der gemeinsamen Kooperationen.Familienrichterin Kathrin Wessels und Rechtsanwalt Hilmar Voigt engagieren sich in der Hannoverschen Familienpraxis.

Region / Laatzen / Hemmingen. 

Einen deutlichen Rückgang kann das Amtsgericht Hannover in den letzten zwei Jahren bei den Sorgerechtsverfahren wegen Schulabstinenz verzeichnen. Waren es im Jahr 2013 noch 228, sank die Zahl in 2015 auf nur noch 134 eingeleitete Verfahren - ein Rückgang von rund 40 Prozent. Das Amtsgericht sowie die Stadt Hannover führen dies unter anderem auf die seit 2010 bestehende Kooperation zwischen beiden Organen zurück, die sich als Ziel gesetzt hat, genau diese Zahl zu reduzieren und dem Schulschwänzen generell entgegenzuwirken. 300.000 Euro nimmt die Stadt dafür in die Hand, es gar nicht erst zu einem Verfahren kommen zu lassen. "Faulheit ist meistens gar nicht der Grund für die Abstinenz", sagte Jens Buck, Jugendrichter und Pressesprecher des Amtsgerichts auf einer heutigen gemeinsamen Pressekonferenz. Viel mehr läge das Fernbleiben an privaten und familiären Problemen.

An diesem Punkt setzt die Stadt an. An mittlerweile zehn Standorten wird in Kooperation mit verschiedenen Trägern die Reintegration befördert, unter anderem durch die Vermittlung an in andere Klassen oder an andere Schulen. Auch Praxissequenzen sollen beim Übergang in einen geregelten Schulbesuch helfen.

Die Zahlen verdeutlichten, so Buck, "dass mit Beratung viel erreicht werden kann". Doch auch der im Extremfall eintretende Sorgerechtsentfall habe als zusätzliches Druckmittel Einfluss auf das Verhalten der Eltern eingewirkt, waren sich alle Vertreter einig. "Häufig bekommen Eltern aus beruflichen Gründen gar nicht mit, dass ihre Kinder nicht zur Schule gehen", erklärte Anke Broßat-Warschun, Leiterin des Fachbereichs für Jugend und Familie der Landeshauptstadt. Durch die Androhung eines theoretischen Sorgerechtsentfalls würden viele Eltern das Verhalten der Kinder besser beobachten und kontrollieren.

Auch im Bereich der Verfahren am Familiengericht kann das Amtsgericht positive Nachrichten vermitteln. Die Zahl der verhandelten verfahren, in denen es auch um die Zukunft des gemeinsamen Kindes ging, sank in den letzten fünf Jahren deutlich zurück. Ausschlaggebend hierfür sei die seit zehn Jahren bestehende „Hannoversche Familienpraxis". Ein Projekt, in dem sich neben dem Gericht und der Stadt auch  Erziehungs- und Beratungsstellen, Rechtsanwälte und Sachverständige zusammengeschlossen haben, um vor allem dafür zu sorgen, dass Trennungen nicht auf dem Rücken der Kinder ausgefochten werden. Das bisherige Ergebnis stellt alle Beteiligten zufrieden: Verfahrenszeiten konnten deutlich reduziert, das Verfahrensklima entlastet und die Belange der Kinder gestärkt werden. Durch die bessere Vernetzung verkürzten sich ehemals lange Wartezeiten bei den Beratungsstellen für Familien auf heute zwei bis vier Wochen.

msa, 21.01.2016, 13:35
Redakteure LON

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