Volkstrauertag: Auf dem Weg zu einer neuen Form des Gedenkens

Nelken zum Zeichen der Trauer: Zum ersten Mal fand die Gedenkfeier auch an der Rückseite des Ehrenmals statt.Vor dem Ehrenmal legten Bürgermeister Köhne und Ortsbürgermeister Muschal einen Kranz nieder.Der Kranz verdeckt den umstritten Spruch "Treue um Treue".Angehörige und Schüler der Albert-Einstein-Schule gedachten der Opfer mit einer kurzen Schilderung ihrer Lebensgeschichte.Der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Laatzen begleitete die Gedenkfeier musikalisch.

Alt-Laatzen. 

Ohne Erinnern gibt es keine Versöhnung – Dieser Satz stammt von dem früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Die Aussage war sinnstiftend für die Gedenkfeier zum Volkstrauertag am heutigen Sonntag am Ehrenmal in der Alten Rathausstraße. Zum ersten Mal fanden die Feierlichkeiten zu beiden Seiten des Denkmals statt. Vorangegangen war der Veranstaltung eine breite öffentliche Diskussion über neue Formen des Gedenkens. „Das Denkmal gehört zum Ort. Die Bürger kommen seit Jahren hierher, um an ihre Angehörigen zu erinnern“, sagte Jürgen Köhne, Bürgermeister von Laatzen, zum Auftakt der Veranstaltung vor dem Ehrenmal. Der Kranz, den Köhne gemeinsam mit Ortsbürgermeister Alexander Muschal über das Kreuz legte, verdeckt den eingemeißelten Spruch „Treue um Treue“. Der Spruch wurde von den Fallschirmjägern der deutschen Wehrmacht verwendet. Er tauchte auch innerhalb der Bundeswehr auf. Vor zwei Jahren wurde der Spruch verboten.

Im Anschluss an die Kranzniederlegung wechselten die Teilnehmer auf die Rückseite des Ehrenmals. Sie gingen gemeinsam, wie Köhne formulierte, den Weg zu einer neuen Form des Gedenkens. Bürgermeister Köhne betonte, dass es wichtig  sei, jungen Menschen einen Zugang zur Geschichte zu schaffen. "Erinnerung ist notwendig, um den Frieden und die Demokratie zu stärken", sagte Köhne.

An den Feierlichkeiten an der Parkseite des Denkmals haben Schülerinnen und Schüler der Albert-Einstein-Schule mitgewirkt. In dem Seminar „Erinnern statt Vergessen“ haben sie Biografien von Menschen aus Laatzen recherchiert, die infolge von Krieg und Vertreibung umgekommen sind oder als verschollen gelten. Für jede Person wurde ein Stein mit seinem Namen niedergelegt. Die Schüler, aber auch Angehörige und Freunde der Opfer, erinnerten in einer kurzen Rede an das Leben dieser Menschen. Sie starben im Konzentrationslager und an der Front. Sie wurden zweiten Weltkrieg getötet und im Iran durch den sogenannten Islamischen Staat. 

„Wir haben heute Namen von Menschen gehört, die leben wollten und Träume hatten, die aber getötet wurden. Ihre Angehörigen und Freunde trauern um sie“, sagte Wilhelm Paetzmann, Lehrer an der Albert-Einstein-Schule. „Uns steht aufgrund unserer Geschichte nicht zu, gleichgültig über das Leiden anderer Menschen hinwegzusehen“. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von dem Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Laatzen.

Die Debatte über die Gestaltung des Ehrenmals in Alt-Laatzen ist noch nicht abgeschlossen. In Kürze werden Gedenktafeln an der Rückseite angebracht. Die Texte auf den Tafeln verdeutlichen eine umfassende Definition von dem Begriff „Opfer“. Die Texte stammen von den Schülern der Albert-Einstein-Schule.

Die im Vorfeld angekündigte Demonstration gegen die Gedenkfeier am Ehrenmal fand nicht statt. Die Veranstalter hatten die Anmeldung zurückgezogen.

tri, 13.11.2016, 15:02
Redakteure LON

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