Die Treppen-Lüge

Andreas Kasten (von links), Sabine Wegmann, Ramona Schumann, Sabine Poth, Monika Brandt-Zwirner und Nicole Waldmann diskutierten über häusliche Gewalt gegen Frauen.

Pattensen / Hemmingen / Laatzen. 

Laut Frauenrechtsorganisationen ist jede vierte Frau in Deutschland von häuslicher Gewalt betroffen. Im Zuge des morgigen Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen diskutierten unter der Moderation von Pattensens Bürgermeisterin Ramona Schumann gestern im Jugendtreff in Pattensen Vertreterinnen und Vertreter von Beratungsstellen, Hilfsorganisationen und der Polizei über häusliche Gewalt, wie man dieser vorbeugen kann und wie Frauen Unterstützung und Hilfe erfahren können.

Dass häusliche Gewalt kein Randphönomen ist, zeigten die Zahlen, die Polizeihauptkommissar Andreas Kasten präsentierte. Alleine in Pattensen und Hemmingen seien es in diesem Jahr über 60 Fällen, in denen ein Verdacht bestünde, berichtete Kasten. "Die Dunkelziffer ist noch einmal deutlich höher", so der Polizist.

Zwischen der sozialen Schicht, der Herkunft oder der Religion und Gewalt gegen Frauen gebe es keinen Zusammenhang. "Das zieht sich durch alle gesellschaftlichen Schichten", sagte Sabine Poth vom Weißen Ring. Sabine Wegmann von der AWO-Koordinierungsstelle für Beratung gegen häusliche Gewalt betonte, dass das wichtigste Ziel sei, eine in der Luft liegende Eskalation zwischen den Partnern so früh wie möglich zu verhindern. "Erste Anzeichen hierfür sind häufig Beleidigungen, also verbale Gewalt", erklärte Nicole Waldmann von der Beratungsstelle "Donna Clara" in Laatzen.

Um sich aus ihrer Situation zu befreien, müssten die Frauen sich jedoch zunächst einmal bewusst werden, dass nicht sie es sind, die Schuld an der Eskalation haben, so die Meinung des Podiums. "Leider ist genau das Gegenteil häufig der Fall", so Wegmann. Die Frauen müssten sich überwinden, auf die Beratungsstellen zuzugehen, so Porth. Häufig passiere dies über Stellvertreter-Themen, berichtete Monika Brandt-Zwirner von der Diakonie in Laatzen. "Das wahre Anliegen stellt sich meistens erst später heraus. Dass diese Frauen überhaupt auf die Beratungsstellen zugehen, sei das Wichtigste. "Da dürfen auch die Freunde und das Umfeld nicht wegschauen, sondern müssen auf die Frauen zugehen und ihnen Hilfe anbieten, zum Beispiel indem sie den ersten Schritt auf uns gemeinsam zugehen", so der Ratschlag von Nicole Waldmann. Entscheidend sei es, sich als Opfer zur Wehr zu setzen, Hilfe zu suchen und nicht in die klassische Ausrede von der heruntergefallenen Treppe zu flüchten. Gleichzeitig dürfe das Umfeld auf keinen Fall wegschauen, sollten sie entsprechende Beobachtungen machen.

msa, 24.11.2015, 00:02
Redakteure LON

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